Einführung zum Video-Livestream des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters des Hessischen Rundfunks am 24. Februar 2022


Missy Mazzoli: Sinfonia (for Orbiting Sphere)

Missy Mazzoli
Missy Mazzoli (* 1980 in Lansdale, Pennsylvania)

Die US-amerikanische Komponistin und Pianistin erwarb einen Bachelor-Abschluss am College of Fine Arts der Boston University, 2006 einen Master-Abschluss an der Yale School of Music und studierte zusätzlich am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Zu ihren Lehrern zählen David Lang, Louis Andriessen, Aaron Jay Kernis, Martin Bresnick, Martijn Padding und John Harbison.
 2008 gründete sie die Band Victoire, ein elektroakustisches Sextett, in der sie als Keyboarderin aktiv ist. Diese „all-star, all-female band“ aus Stimmen, Streichern, Keyboards, Klarinetten und Elektronik spielt Mazzolis hypnotische Mischung aus verträumtem Art-Pop und reichhaltiger Romantik und hüllt den Zuhörer in einen Teppich aus klassischen Einflüssen, verzerrten Gitarren, vielschichtigem Gesang, Vintage-Keyboard-Sounds und stotternden Samples.
 Seit 2006 unterrichtete Mazzoli Komposition an der Musikabteilung der Yale University, später an verschiedenen anderen Instituten. 2012 bis 2015 war sie Composer-in-Residence an der Opera Philadelphia, in Zusammenarbeit mit der Gotham Chamber Opera und der Music-Theater Group. Ihre erste Oper, Song from the Uproar: The Lives and Deaths of Isabelle Eberhardt, basierend auf dem Leben der Schweizer Forscherin und Schriftstellerin, wurde im März 2012 im New Yorker Theater The Kitchen uraufgeführt. Seitdem hat sie sechs weitere Opern, mehrere Orchester- und Chorstücke, Kammermusik, Solostücke und Filmmusiken komponiert.
 Die New York Times bezeichnete Mazzoli als „eine der beständigsten und überraschendsten Komponisten, die derzeit in New York arbeiten.“



Sinfonia (for Orbiting Sphere) (2016)

Orchesterbesetzung: 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte 2 Hörner, 2 Trompeten, 2 Posaunen, Tuba 2 Schlagzeuge, Klavier/Synthesizer Streicher Fagotte, Hörner, Trompeten und Posaunen auch Mundharmonika - Zuspielband
Tempi: Slow stately / Spirited buoyant / Stately
Spieldauer: ca. 12 Min.
Auftrag: Music Alive Composer Residencey at the Boulder Philharmonic Orchestra
Uraufführung: Kammerversion: 14. April 2014, LA Philharmonic Orchestra, John Adams Ltg.
Orchesterversion: 12. Febr. 2016, Boulder Philharmonic Orchestra, Michael Butterman Ltg.

Das Werk wurde 2014 zunächst in einer Kammerversion für die Los Angeles Philharmonic komponiert und 2016 für das Boulder Philharmonic Orchestra zu der jetzigen Orchesterversion erweitert. Statisch lösen sich in diesem Stück Liegeklänge ab, die oft mit einer kleinen, bewegten Schleife eingeleitet werden und sich anschließend glissandierend wandeln. Die Anfangsfiguren werden oft wie kleine Kanons übereinander geschichtet, manchmal synchronisiert und die Einklänge, die dann erreicht werden, verrutschen anschließend glissandierend. Kontinuierlich erweitern sich diese Klänge und reduzieren sich wieder, dabei schwellen sie an und ab. Der dahinterstehende Gedanke ist die Idee eines Sonnensystems mit einem zentralen Klang, um den die kleinen Figuren in unterschiedlich großen Umlaufbahnen drehen. Mit dem Titel Sinfonia bezieht sich Mazzoli „auf barocke Werke für Kammerorchester, aber auch auf den altitalienischen Begriff für eine Drehleier, ein mittelalterliches Saiteninstrument mit konstanten, keuchenden Borduntönen, die unter den auf einer angeschlossenen Tastatur gespielten Melodien hervorgekurbelt werden.“



Alain Altinoglu

Leitung: Alain Altinoglu

Der 1975 in Paris geborene Dirigent armenischer Abstammung studierte am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse, an dem er seitdem auch selbst unterrichtet und seit 2014 die Dirigierklasse leitet. 2016 wurde Altinoglu Directeur Musical des Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, gerade hat er dort seinen Vertrag bis 2025 verlängert. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent begleitet er seine Ehefrau, die Mezzosopranistin und Liedsängerin Nora Gubisch am Klavier und macht hin und wieder auch Ausflüge in den Bereich von Jazz und Improvisation. Seit 2021 ist er Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters.