Einführung zum Livestream-Konzert des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters des Hessischen Rundfunks am 10. Juni 2021


Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie F-Dur KV 112

Wolfgang Amadeus Mozart
Wolfgang Amadeus Mozart (* 1756 in Salzburg, † 1791 in Wien)

Mit der Reise nach Italien, die Leopold Mozart mit seinem bald 14jährigen Sohn im Dezember 1769 antrat, verband sich eine gegenüber den früheren Unternehmungen veränderte Reiseabsicht. Es ging nicht mehr um privat arrangierte Konzerte, bei denen der komponierende und spielende kindliche Virtuose Erstaunen bei vermögenden Zuhörern erregen sollte, sondern um den Abschluss von Produktionsverträgen im hochprofessionellen System der italienischen Oper. Dazu musste der junge Komponist mit seinem Werk möglichst perfekt der Simplizität der herrschenden Opern- und Spieltradition genügen. Ein Opernauftrag konnte bereits im März 1770 ereicht werden. Die Wartezeit bis zum Eintreffen des Librettos für die Oper Mitridate, Re di Ponto nutzten die Mozarts zu vielfältigen Besuchen, Konzerten, Knüpfen von Kontakten. Nach Briefberichten entstanden hier die Sinfonien KV 74 und KV 84 und viele weitere Kompositionen, die jedoch nicht immer zweifelsfrei zu identifizieren sind.



Sinfonie F-Dur KV 112 (1771)

Orchesterbesetzung: 2 Oboen, Fagott 2 Hörner Streicher
Sätze: 1. Allegro, 2. Andante, 3. Menuetto, 4. Molto Allegro
Spieldauer: ca. 15 Min.
Uraufführung: 22. oder 23. Nov. 1771 im Haus von A. M. Mayr, Verwalter der königlichen Privatschatulle von Erzherzog Ferdinand

Der erste Satz beginnt mit drei Motiven: Einem absteigenden unisono-Dreiklang des Orchesters, einer piano-Floskel der Violinen und Viola und einem Dreiklangsmotiv des Orchesters. Es folgen virtuose Sechzehntel-Läufe, Triller und Tremoli. Zwei Viertelschläge schließen das erste Thema ab. Ein Frage-Antwort-Motiv von Oboe und Viola, und Violinen und Viola in Terzen bilden das zweite Thema. Eine tremolo-Fläche, eine Pendelbewegung mit punktiertem Rhythmus, eine Schlussgruppe mit einem chromatischen Motiv der Violinen beenden die Exposition. Eine kurze Überleitung mit tremolierten Akkorden und einer Variante der Schlussgruppe führen in die Reprise, die die Exposition nahezu wörtlich wiederholt.
 Der zweite Satz beginnt als tickende Figur der ersten Violine, begleitet von uhrwerkartig-gleichmäßigen, gebrochenen Akkordfiguren im Staccato von zweiter Violine und Viola und grundierenden Einzeltönen von Cello und Kontrabass. Zum Ende des viertaktigen ersten Themas spielen beide Violinen eine abgesetzte Figur abwärts. Das zweite Thema basiert auf einem zweitaktigen Motiv, wobei die Figur des zweiten Taktes zwischen der ersten Violine einerseits und der zweiten Violine sowie der Viola andererseits im Dialog auftritt. Eine Schlussgruppe aus den anderen Motiven beendet die Exposition. Eine kurze Durchführung bringt das Motiv des ersten Themas unterbrochen von einer chromatischen Abwärts-Bewegung. Die Reprise ist ähnlich wie die Exposition strukturiert.
 Charakteristische Elemente der kräftigen Melodie des Menuetts sind die dreifache Tonwiederholung sowie die Triole abwärts. Im zweiten Teil dominieren die Triolen zwei Takte lang. Das Trio für Streicher steht in C-Dur und ist durchweg im piano gehalten. Der erste Teil ist relativ dicht mit vielen Bögen gearbeitet. Der zweite Teil beginnt mit einem neuen, lockeren Motiv auf dem C-Dur-Dreiklang im staccato; das Anfangsmotiv tritt erst am Ende zwischen beiden Violinstimmen versetzt wieder auf.
 Der als Rondo strukturierte vierte Satz besteht aus dem Refrain und zwei Couplets. Das periodisch gebaute Thema des Refrains bringt eine aufsteigende F-Dur-Dreiklangsmelodik und eine ebenfalls aufsteigende tremoloartige Figur. Das erste Couplet zeigt eine Gegenbewegung der beiden Violinen, gefolgt von einer fallenden Tremolopassage, die variiert wiederholt wird. Das zweite Couplet mit einer tänzerischen Melodie und Vorschlägen steht in d-Moll. Nach dem letzten Durchlauf des Refrains wird der Satz von einer Coda mit Akkordmelodik und Tremolo beendet.


Fabio Biondi

Leitung: Fabio Biondi

Er wurde 1961 in Palermo geboren und ist Geiger und Dirigent. 1990 gründete Biondi das Ensemble Europa Galante. Damit spezialisierte er sich auf die leichte italienische Unterhaltungsmusik des 18. Jahrhunderts. Von 2005 bis 2016 war Biondi künstlerischer Leiter für Barockmusik beim Stavanger Symphony Orchester. Er dirigierte das Orchestre Philharmonique de France, das Chicago Symphony Orchestra, das Mozarteumorchester Salzburg, das Mahler Chamber Orchestra, das Zürcher Kammerorchester und andere mehr. Von 2015 bis 2018 war er musikalischer Leiter am Palau de les Arts Reina Sofía in Valencia. Das vorliegende Programm hat er zum Teil verändert durch ähnliche Werke seit etwa 20 Jahren an vielen Orten und mit anderen Orchestern wiederholt.