Einführung zur Orchesterprobe des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters des Hessischen Rundfunks am 11. Februar 2020


Nikolaj Rimskij-Korsakov: Der goldene Hahn, Suite

Nikolaj Rimskij-Korsakov
Nikolaj Andreevič Rimskij-Korsakov (* 1844 in Tichwin, Gouv. Nowgorod; †1908 auf Gut Ljubensk bei Luga, Gouv. Sankt Petersburg)

Rimskij-Korsakov, der mit 12 Jahren in die Marine-Kadettenschule eintrat, gehörte ab 1861 zum Kreis der Balakirev-Schüler, die man später „das mächtige Häuflein“ nannte. Milij Balakirev, der Mentor dieser Gruppe, war der Überzeugung, dass sich die handwerklichen Grundlagen des Komponierens nicht bei Übungsstücken, sondern mit konkreten Werken entwickeln würden. So war eine der ersten Arbeiten Rimskij-Korsakows die es-Moll-Symphonie, an der er arbeitete, bis sie 1865 unter der Leitung Balakirevs aufgeführt wurde.
 Als Rimskij-Korsakov 1871 eine Professur für Komposition und Instrumentation, sowie die Leitung des Orchesters am Konservatorium Petersburg angetragen wurde, begann er mit großem Eifer und Akribie nachzuholen, was ihm an handwerklicher Ausbildung fehlte. Er ließ sein Schaffen liegen, beschäftigte sich mit Satztechnik und Kontrapunktstudien, eignete sich systematische Kenntnisse der Instrumente an und arbeitete er seine frühen Werke um. Anders als den anderen Mitgliedern des „mächtigen Häufleins“ gelang Rimskij-Korsakov der Weg zum professionellen Komponisten; er schuf ein umfangreiches und zu seinen Lebzeiten erfolgreiches und auch international beachtetes Werk. Im Zentrum seines Schaffens stehen seine 15 Opern, deren Formenreichtum und stilistische Vielfalt Einflüsse Michail Glinkas und der russischen Volksmusik, später auch Richard Wagners erkennen lassen, zum anderen Orchesterwerke, Chorwerke, Kammer- und Klaviermusik und Lieder. Seine Harmonik verbindet chromatisch-enharmonische Kühnheit mit archaischer Kirchentonalität; seine virtuose Instrumentation wirkte nachhaltig auf Komponisten der folgenden Generation, u. a. Claude Debussy, Maurice Ravel und Igor Strawinsky.



Der goldene Hahn Suite in vier Sätzen (1906-07 / 1913)

Orchesterbesetzung: Picc., 2 Flöten (1 auch Picc.), 3 Oboen (1 auch Englischhorn), 3 Klarinetten (1 auch Bassklarinette), 3 Fagotte (1 auch Kontrafagott) 4 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba Pauken, 4 Schlagzeuger, 2 Harfen, Celesta Streicher (16-14-12-10-08)
Sätze: 1. Allegro, 2. Moderato (alla breve), 3. Andantino, 4. Allegro assai
Spieldauer: ca. 28 Min.
Uraufführung: 7. Oktober 1909, in Moskau.

Der goldene Hahn ist die letzte dreiaktige Oper Rimskij-Korsakovs und zugleich seine international bekannteste. Das Libretto verfasste Wladimir Bjelskij nach dem gleichnamigen Märchen von Aleksandr Puškin, das seinerseits auf der Sage vom arabischen Astrologen aus der Erzählsammlung Die Alhambra von Washington Irving beruht. Die Handlung kreist um einen faulen Autokraten, der in Konflikte mit den Nachbarländern verwickelt ist. Wegen der Textzeile „eines neuen Morgens … ohne den Zaren“ verlangte die zaristische Zensur eine Überarbeitung, die Rimskij-Korsakov aber verweigerte. Daher wurde die Oper erst nach seinem Tod aufgeführt. Besonders durch die Pariser Aufführung von 1914 wurde die Oper zum Sensationserfolg und erlangte Bedeutung als Meilenstein in der Entwicklung des modernen Musiktheaters, denn hier wurden erstmals die Rollen der Tänzer und Mimen von denen der Sängern getrennt.

 Fünf Jahre nach dem Tod Rimskij-Korsakovs erstellten seine Schüler Aleksandr Glazunov und Maksimiljan Štejnberg eine viersätzige Suite für Orchester mit musikalischem Material aus allen drei Akten der Oper.

 Der erste Satz zeigt Zar Dodon in seinem Palast voll süßen Nichtstuns und im Traum von einer exotischen Frau. Der goldene Hahn des Astrologen soll vor Gefahren warnen. Zentrale Motive sind der „Hahnenschrei“ mit gedämpften Trompeten, das orientalisch-melancholische Thema der erträumten Zarin mit chromatisch absteigenden Celli, später auch Flöten und Oboen und die Kriegsgefahr mit Hornstößen und Orchester-Tuttis.
 Der zweite Satz führt den Zaren nach Warnrufen des goldenen Hahnes auf das Schlachtfeld. Doch nicht Schlachtengetümmel ist zu hören, sondern nach einem kurzen Militärmarsch nur noch spannungsvolles Warten.
 Der dritte Satz zeigt den Zaren als Gast bei der Königin von Shemakha. Ein lyrisches Duo von Englischhorn und Bratsche wechselt mit extatischer Feier.
 Der vierte Satz zeigt die Rückkehr des Zaren mit der Königin, deren Hochzeit und sein tödliches Ende: Er wird von dem goldenen Hahn zerhackt.


Alain Altinoglu

Leitung: Alain Altinoglu

Der 1975 in Paris geborene Dirigent armenischer Abstammung studierte am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse, an dem er seitdem auch selbst unterrichtet und seit 2014 die Dirigierklasse leitet. 2016 wurde Altinoglu Directeur Musical des Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, gerade hat er dort seinen Vertrag bis 2025 verlängert. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent begleitet er seine Ehefrau, die Mezzosopranistin und Liedsängerin Nora Gubisch am Klavier und macht hin und wieder auch Ausflüge in den Bereich von Jazz und Improvisation. Ab 2021 wird er Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters.