Einführung zu den Konzerten des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters des Hessischen Rundfunks am 9. und 10. Dezember 2021


Richard Wagner: Lohengrin: Vorspiel zum 1. Akt

Richard Wagner
Richard Wagner (* 1860 in Leipzig; † 1883 in Venedig)

Wilhelm Richard Wagners Vater, war Stadtgerichtsaktuar, er starb ein knappes halbes Jahr nach dessen Geburt. Richard wuchs in Dresden auf und besuchte 1822 bis 1827 die Kreuzschule; 1828 siedelte die Familie nach Leipzig über und er besuchte bis 1830 das Nikolai-Gymnasium. Nach einem halben Jahr an der Thomasschule schrieb er sich an der Universität als Musikstudent ein und erhielt von Theodor Weinling Kompositionsunterricht. Im Jahr 1833 wurde er Korrepetitor am Theater in Würzburg, wo sein Bruder Albert Wagner als Schauspieler, Sänger und Regisseur tätig war; 1834 wurde er Musikdirektor in Magdeburg, 1836 Kapellmeister in Königsberg und 1837 in Riga, von wo er 1839 wegen seiner Schulden auf dem Seeweg über London nach Paris flüchtete. Dort brachte er sich durch Gelegenheitsarbeiten Notenkopieren, Arrangements für Musikverleger, Komposition französischer Romanzen, Zeitungsartikel, Bearbeitung eines Klavierauszugs durch. Er schrieb in jener Zeit neben anderen Werken die Opern Rienzi, die in Dresden angenommen wurde, und Der Fliegende Holländer, die Berlin über Empfehlung von Giacomo Meyerbeer zur Erstaufführung übernahm. 1842 kehrte er nach Dresden zurück, wo er Rienzi und den Holländer, den er in Berlin zurückgezogen hatte, aufführte, Hofkapellmeister der Dresdner Oper wurde und Tannhäuser und Lohengrin schrieb. Seine Tätigkeit als Dirigent wurde sehr günstig beurteilt. Anläßlich der revolutionären Bewegung des Jahres 1848 machte er sich durch einige Artikel für aufrührerische Volksblätter verdächtig und mußte flüchten. Die Behauptung, daß er auf den Barrikaden des Freiheitskampfes gestanden sei, ist ein Märchen. Er begab sich zunächst zu Franz Liszt nach Weimar, der Lohengrin herausbrachte, und sodann nach Zürich, das er 1858 wegen seines Liebesverhältnisses mit Mathilde Wesendonck, der Frau seines Freundes und Gastgebers Otto Wesendonck, verlassen mußte.



Lohengrin: Vorspiel zum 1. Akt

Orchesterbesetzung: 3 Flöten, 3 Oboen (eine auch Englischhorn), 3 Klarinetten (eine auch Bassklarinette) 3 Fagotte 4 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba Pauken, Schlagzeug Streicher
Spieldauer: ca. 9 1/2 Min.
Uraufführung: 28. August 1850 in Weimar im Großherzoglichen Hoftheater, Franz Liszt Ltg.

Das Vorspiel stellt die Aura des heiligen Grals dar. Das Grals-Motiv, das das ganze Werk durchzieht, steht am Anfang und wird immer wieder zitiert. In gewisser Weise wird mit dem Vorspiel die Grals-Erzählung des Lohengrin im 3. Akt vorweggenommen. Die Musik beginnt und endet mit leisen, sphärischen Klängen der in vier Solo- und vier Gruppen-Stimmen aufgeteilten Violinen in hoher Lage. Nach und nach werden zuerst die Holzbläser, dann die tiefen Streicher und die Hörner, später die Posauen und die Tuba, schließlich auch die Trompeten, Pauken und Schlagzeug hinzugenommen. Damit verbunden ist eine stetige Vergrößerung des Tonumfangs, der Lautstärke und Dichte, wodurch eine große, langanhaltende Steigerung erreicht wird, die im fortissimo des tutti und in zwei Beckenschlägen kulminiert. Danach bestimmen zwei teilweise chromatische, aufeinander zulaufende, aus der Höhe nach unten und aus der Tiefe nach oben strebende Linien die Rückentwicklung zu der Klangwelt des Anfangs. Die auskomponierte Steigerung ist als Entwicklung zur „Ankunft und Verwirklichung des Heiligen“ (Grals) interpretiert worden. Einige Takte vor den Beckenschlägen ist auch die Melodie der Frage Lohengrins an Elsa im 1. Akt „Willst Du wohl ohne Furcht und Grauen dich meinem Schutze anvertrauen?“ zu hören.
 Friedrich Nietzsche schrieb, diese Musik sei „blau, von opiatischer, narkotischer Wirkung“.


Alain Altinoglu

Leitung: Alain Altinoglu

Der 1975 in Paris geborene Dirigent armenischer Abstammung studierte am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse, an dem er seitdem auch selbst unterrichtet und seit 2014 die Dirigierklasse leitet. 2016 wurde Altinoglu Directeur Musical des Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, gerade hat er dort seinen Vertrag bis 2025 verlängert. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent begleitet er seine Ehefrau, die Mezzosopranistin und Liedsängerin Nora Gubisch am Klavier und macht hin und wieder auch Ausflüge in den Bereich von Jazz und Improvisation. Ab 2021 wird er Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters.