„TEMPUS PRAETERITUM NIHIL FUTURUM INCERTUM PRAESENS INSTABILE
CAVE NE PERDAS HOC TUUM.“
(„Die vergangene Zeit ist nichtig, die künftige ungewiß, die gegenwärtige unsicher;
hüte dich, deine eigene zu verlieren.“)

Diese Inschrift auf der Sonnenuhr im Prinsenhofgarten in Groningen setze ich
als Überschrift über meine kompositorische Arbeit, die ich hier vorstellen möchte.

Foto: Peter Bastian, Hand: Carlo Rizzo In dieser Arbeit versuche ich, immer wieder ganz von vorne zu denken, das, was zum „Gemeinsinn“ geworden ist, wieder in Frage zu stellen. Daher ist es so schwer, eine allgemeine Beschreibung oder Bezeichnung meiner Musik zu finden. Und der Begriff „Neue Musik“ umfaßt inzwischen so viel, daß er eigentlich nichts mehr aussagt.

Die direkte Zusammenarbeit mit Musikern und der Austausch mit Hörern ist mir wichtig. Das Musizieren zeigt ein Geschehen von sozialen Beziehungen zwischen den beteiligten Menschen, Musikern und Hörern, und erst in diesem Geschehen findet Kunst statt. „Gute“ Musik zeichnet sich dadurch aus, diese Beziehungen zutage zu bringen, sie zu verdeutlichen, und eine Substanz zu liefern, die die Auseinandersetzung damit lohnt. Damit steht die lebendige Aufführung der Musik und die Auseinandersetzung miteinander im Mittelpunkt - und meine Arbeit weit entfernt von jenem zwanghaft Spektakulären, das offensichtlich resultiert aus den Gebräuchen einer Gesellschaft, die kein anderes Maß kennt als Geld.