Einführung zur Orchesterprobe des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters des Hessischen Rundfunks am 8. März 2023


Camille Pépin: Les eaux célestes

Camille Pépin
Camille Pépin (* 1990 in Amiens)

Camille Pépin entdeckte ihre Liebe zur klassischen Musik in ihrem Tanzunterricht. Sie studierte am Conservatoire à Rayonnement Régional in Amiens und in Paris bei den Komponisten Guillaume Connesson, Marc-André Dalbavie und Thierry Escaich. Sie wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt. Von 2018 bis 2019 war sie Composer in Residence beim Orchestre de Picardie und anschließend von 2019 bis 2021 beim Internationalen Musikfestival von Besançon Franche-Comté.
 Ihre Musik ist zwischen französischem Impressionismus und der repetitiven Musik des amerikanischen Minimalismus angesiedelt, Inspirationen findet sie in der Natur und Malerei. Ihr Werkkatalog weist fünf Orchesterstücke, drei Instrumentalkonzerte sowie über zwanzig Ensemble- und Kammermusikwerke auf.



Les eaux célestes (2023 - Uraufführung)

Orchesterbesetzung: 2 Flöten (eine auch Piccolo), 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte 2 Hörner, 2 Trompeten Pauken, 3 Schlagzeuge, Harfe Streicher
Auftrag: hr-Sinfonieorchester
Spieldauer: ca. 8 Min.

Der Titel lässt sich mit „Die himmlischen Wasser“ übersetzen. Die Komposition ist in einem zusammenhängenden Satz komponiert, weist aber vier Abschnitte mit den Bezeichnungen „Die Wolken weben“, „Die Trennung“, „Die perlenden Tränen“ und „Die Brücke der Flügel“ auf.
 Der erste Abschnitt beginnt mit einer Quinte h-fis, die in den Violinen und Bratschen tremolieren, in den Celli und Kontrabässen als Flageolett gehalten werden und mit Harfen, Celesta, Glocken, Vibraphon und in den Holzbläsern einzeln verstärkt werden. Nach und nach verunklart die Quinte durch Hinzufügung anderer Töne, Vorschläge oder kleiner Läufe. Verdichtungen und Reduktionen bestimmen das Bild. Nach geraumer Zeit gehen die Streicher in Wechselnoten in Achteln über, die ursprüngliche Quint ist immer noch deutlich zu hören, inzwischen aber durch verschiedene Figuren überschrieben. Der Einsatz der Hörner im staccato ändert den fließenden Charakter in ein mechanisches Stoßen. Mit einem decrescendo und Verschwinden der Bewegung endet der erste Abschnitt.
 Der zweite Abschnitt ist von dem Quart-Quintklang f-b-c bestimmt, der aber gleich mehr umspielt wird, dazu kommen jetzt polyrhythmische Überlagerungen: Achtel, Triolen, Sechzehntel, Quintolen, Septolen, Triller und Tremoli kreuzen sich über Liegetönen. Auch dieser Teil geht nach und nach in eine härtere Gangart über, verbunden mit einer dynamischen Steigerung und Verdichtung, die gegen Ende wieder reduziert wird und in einer Generalpause endet.
 Der dritte Abschnitt exponiert die Quint fis-cis in sehr hoher Lage in den Streichern im Flageolett. Vier einzelne bewegte Passagen enden in Liegeklängen und Generalpausen.
 Der vierte Abschnitt bleibt bei der Quint fis-cis jetzt aber in mittlerer Lage. Während die Streicher Flageolett-Liegeklänge spielen, tremolieren Vibraphon, Marimba und später die Celesta wie am Anfang die Violinen und Bratschen. Nach und nach erweitert sich der Tonraum, Septim- und pentatonische Akkorde erscheinen, die Quinte geht darin auf. Immer mehr Bläser treten hinzu, bis plötzlich eine gemeinsame Bewegung in eine gewaltige Steigerung bis zum Schluss im fortissimo führt.


Alain Altinoglu

Leitung: Alain Altinoglu

Der 1975 in Paris geborene Dirigent armenischer Abstammung studierte am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse, an dem er seitdem auch selbst unterrichtet und seit 2014 die Dirigierklasse leitet. 2016 wurde Altinoglu Directeur Musical des Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, gerade hat er dort seinen Vertrag bis 2025 verlängert. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent begleitet er seine Ehefrau, die Mezzosopranistin und Liedsängerin Nora Gubisch am Klavier und macht hin und wieder auch Ausflüge in den Bereich von Jazz und Improvisation. Seit 2021 ist er Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters.